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Weingut Louis Guntrum
– erster Herbstbericht 2006
Hitze im Juli, Kälte und Nässe im August, Regen Anfang Oktober – die Küche, die aus diesen Zutaten ein hochwertiges und schmackhaftes Essen bereiten soll, ist nicht zu beneiden. Und trotzdem haben wir im Weingut Louis Guntrum allen Grund, sehr zufrieden und dankbar auf die Ernte des Jahrgangs 2006 zu blicken.
Der kalte und nasse August bescherte uns einen Reiferückstand, den der warme und trockene September nur mühsam aufholen konnte. Immerhin sorgten die Niederschläge im August für eine ausreichende Wasserversorgung und daraus folgend ebenso für eine ausreichende Nährstoffversorgung der Trauben und der Moste.
Die Ernte in unserem Haus begann am Dienstag, den 26. September. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Jahre, dass auch in unserem Haus die Ernte in der letzten Septemberwoche beginnt und nicht mehr Anfang Oktober, wie dies noch bis Mitte der Neunziger Jahre üblich war.
Die bis 2. Oktober geernteten Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder und Müller-Thurgau lieferten kerngesunde und reife Trauben. Erstaunliche 88° Oechsle beim Müller-Thurgau (für Müller-Thurgau Halbtrocken in der Literflasche) und Mostgewichte über 90° Oechsle für die Burgundersorten sind beste Voraussetzungen für gehaltvolle, kräftige und aromatische Weine.
Im Geschmack bestätigen die Burgundersorten die sehr zeitaufwendige und kostenintensive Handarbeit, die wir diesen Weinbergen im Sommer haben angedeihen lassen in dem Bestreben, die Qualitäten unserer Weine aus den vergangenen Jahren noch weiter zu steigern.
Gleichzeitig weisen alle Moste erfreulich hohe Säurewerte zwischen 7‰ und 8‰ auf. Aus der Kombination von guter Reife und fester Säure werden sich süffige, gehaltvolle und trotzdem klassische und lang haltbare Weine ergeben.
Die Wende kam zum „Tag der deutschen Einheit“ am 3. Oktober. 30 Stunden Regen mit einer Gesamtniederschlagsmenge von über 40 l/qm und weitere Niederschläge in den folgenden Tagen schwemmten unsere Hoffnungen auf eine zeitlich gestaffelte und späte Lese der Rieslingtrauben buchstäblich fort. Einmal mehr zeigten sich nach dem 3. Oktober die wesentlichen Unterschiede zwischen den Niersteiner und Oppenheimer Weinbergen. Während die Trauben in Nierstein noch weitgehend gesund und hochreif am Stock hingen, waren wir in Oppenheim auf schwerem Lehmboden gezwungen, sehr schnell und fast ausschließlich in penibler, selektiver Handlese die Ernte, auch der Rieslingtrauben, einzubringen. Das schnelle Fortschreiten von Essigfäule wie der Bodenzustand haben den Einsatz der Erntemaschine in Oppenheim weitgehend unmöglich gemacht.
Die Erntemenge ist damit deutlich verringert, Reife, Klarheit, Reintönigkeit und Geschmack der entstandenen Moste lassen aber dennoch auf einen sehr erfreulichen Jahrgang schließen.
In unseren Niersteiner Weinbergen haben wir eine sehr gute Ernte einfahren können. Selektive Lese war auch hier Pflicht, aber die Ergebnisse mit Mostgewichten zwischen 90° Oechsle und 100° Oechsle lassen einen hochreifen, harmonischen und aromatischen Jahrgang erwarten. NIERSTEINER OELBERG und NIERSTEINER ORBEL, gelesen am 10. Oktober, weisen mit 95° und 96° Oechsle und knapp 8 ‰ Säure den Weg zu klassischen Weinen. Am 18. Oktober haben wir eine der schnellsten Ernte beendet, die in unserer Region bereits als „Turbo-Herbst“ beschrieben wird.
Spreu und Weizen werden im Jahrgang 2006 ihren Scheidepunkt am Ersatz der Maschinenlese durch die Handlese finden. Selektive Auslese war in diesem Jahr eine Verpflichtung, um reintönige, hochwertige Weine zu erzeugen.
Petrus hat im September und in den vergangenen Tagen ein freundliches Einsehen mit uns gehabt und wir blicken mit Mitgefühl auf die sehr schwierigen Verhältnisse, denen sich offenbar unsere Kollegen in Baden und in der Pfalz ausgesetzt sehen.

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